Am Mittag des 25. Juli machte sich eine kleine Gruppe motivierter Streitkulturler (Lennart, Nikos, Konrad und Sabine) auf den Weg gen Nordosten, um am letzten Turnier der Saison teilzunehmen: Dem Boddencup in Greifswald.
Nichts konnte sie schrecken, weder die Aussicht auf eine stundenlange Fahrt quer durch die Republik mit einem Navigationssystem, das freundlicherweise darauf hinwies, dass sein Kartenmaterial veraltet ist, noch ein kurzer,aber apokalyptischer Hagelsturm, der die Fahrt deutlich verlängerte, weil er sie zwang, eher zu schwimmen als zu fahren. Doch nach einem halbem Kilometer war der Spuk wieder vorbei – die Straßen waren trocken, die Sonne strahlte und keiner konnte sich mehr vorstellen, dass gerade noch mindestens fußballgroße Hagelkörner vom Himmel geprasselt waren. Doch das sollte nicht die einzige Verzögerung bleiben: Staus, Regen, ein Umweg über ein idyllisches Weindorf und fiese Stechmücken auf einem Parkplatz dehnten die Reisedauer so weit, dass die vier müden Tübinger und die ebenso müde Heidelbergerin (Anne) erst nach elf Stunden Fahrt gegen halb zwei in Greifswald ankamen, wo es – oh Wunder – regnete. Aufgrund des Regens und der späten Stunde fiel eine mehr oder weniger einstimmige Entscheidung dafür, sofort zur Unterkunft bei Björn zu fahren, der uns freundlicherweise mit einem eigenen Schlüssel problemloses Ankommen und Abfahren nach Belieben gewährte.
Leider sind die Menschen im hohen Nordosten wohl Frühaufsteher, denn Frühstück gab es schon um halb acht. Wie immer perfekt pünktlich traf die Tübinger Delegation (mit Unterstützung aus Jena (Tina) und Heidelberg) gegen acht Uhr ein und konnte mit der ersten spannenden Vorrunde beginnen. Nach vier Debatten war der Tag dann vorbei – oder zumindest der Debattierteil des Tages. Zwar war kein Tübinger Team wirklich glücklich mit seinen Leistungen („Wir wurden total fehljuriert!“) und ein FDL-Sieg in unerreichbare Ferne gerückt, aber ein Ausflug an den Strand des Boddens ließ das schnell vergessen.
Das lag allerdings weniger am Einfluss alkoholischer Getränke oder ekstatischen Tanzens, sondern eher an der unfassbaren Masse von Stechmücken, die in den munteren Debattanten ein Festmahl vorfanden und sie durch zahllose Stiche von Erfolgen und Misserfolgen ablenkten. Nicht mal ein Sprung in die kühle Ostsee brachte einen in Sicherheit (was vielleicht auch damit zu tun haben könnte, dass nach diesem Sprung die Knie immer noch nicht im Wasser sind und der größte Teil des Körpers den Blutsaugern so schutzlos ausgesetzt ist…). Nach und nach gaben alle ihren Widerstand gegen die fiesen Insekten, denen auch mit Mückenspray nicht beizukommen war, auf und zogen weiter in den womöglich einzigen Club Greifswalds, wo neue Energie für den darauffolgenden Tag gesammelt wurde.
Wirklich ausgeschlafen war am nächsten Tag folglich niemand; man munkelt, das ein oder andere Team, das weder breaken wollte noch konnte, habe in der letzte Vorrunde durch besonders deutliche Aussprache und sehr schlüssige Argumentationen gepunktet.
Nach dieser fünften Vorrunde und der Verkündung des Breaks, war dann auch klar, dass die Marburger mit ihrem schadenfrohen „So gehen die Tübinger“-Tanz leider Recht hatten: Mit dem Einzug ins Halbfinale hatte Marburg die FDL gewonnen. Damit nicht genug, für Lennart und Tina als Streitkultur Hyperion war das Turnier hiermit vorbei. So blieb den Tübingen Verbundenen nur noch das Daumendrücken für Streitkultur Peitho, die es auf den vierten Platz geschafft hatten. Doch auch Konrad und Nikos schieden schließlich aus.
So mussten alle das Finale von den Zuschauerplätzen der Anatomie mit ihrer überragenden Akustik aus anschauen. Bei einer Berliner Finalbeteiligung von 75% siegte schließlich nicht ganz überraschend ein Berliner Team.
Doch der Nachmittag hatte auch Erfreulicheres zu bieten: Zwar konnte Tübingen den ersten Platz in der FDL nicht erreichen, aber Lennart als bester Einzelredner und Konrad auf Platz zwei sind dafür eine angemessene Entschädigung. Nach den Siegerehrungen machte sich die Gruppe ohne Nikos, aber dafür mit einem gestrandeten Chefjuror im Gepäck wieder auf den weiten Weg gen Heimat.
Die Erfahrungen von der Hinfahrt lehrten: Eine Abfahrt um vier Uhr würde eine Ankunft tief in der Nacht bedeuten. Überraschenderweise war dem tatsächlich so. Und so fielen die Streitkulturler, nachdem sie ihre anderen Passagiere unterwegs ausgesetzt hatten, um halb vier müde, aber recht zufrieden mit sich, der Welt und dem Turnier in ihre Betten.

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