Mehrere ehemalige und amtierende Deutsche Meister und Gewinner zahlreicher anderer Wettbewerbe waren erschienen. Über Vereinsgrenzen hinweg hatten sie sich in zwei Teams zusammengefunden, um noch einmal das Publikum zu erfreuen und für ihren Sport zu begeistern. Selten hatte man ein so hochkarätiges Ensemble bewundern dürfen. Die Ankündigungen hatten nicht zu viel versprochen. Am Ende klatschte das Publikum begeistert und verließ hochzufrieden den Saal.

Die Teilnehmer der beiden Heidelberger Showdebatten

Die Teilnehmer der beiden Heidelberger Showdebatten

Üblicherweise würde der geübte Leser im weiteren Verlauf dieses Artikels wohl den Bericht vom Abschiedspiel eines abgehalfterten Bundesligastars erwarten. Nicht jedoch in diesem Fall. Stattdessen veranstaltete der Debating Club Heidelberg am 18.3. im Rahmen der Langen Nacht der Museen in der Alten Aula der Heidelberger Universität eine Show-Debatte, zu der man diesmal die Streitkultur eingeladen hatte. Wir reisten mit einer dreiköpfigen Delegation bestehend aus Markus Vergesst, Tim Bartsch und Volker Tjaden an. Vor Ort stieß später noch der aus Mainz angereiste Simon Hermann dazu.

In einer gut gefüllten Alten Aula stellte er in der ersten Runde gemeinsam mit Markus und Tim die Regierungsseite dar. Das Thema „Brauchen wir ein partielles Streikverbot“ war Grundlage eines mutigen Antrages. Aus aktuellem Anlass fühlte sich die Regierung genötigt, in Zukunft der Müllabfuhr, den Straßenmeistereien und den Kindergärten den Arbeitskampf zu untersagen. Gewohnt eloquent und argumentationssicher präsentierten sich die drei Routiniers gegen eine Heidelberger Opposition (Florian Pressler, Ella Zhirova, Daniel Sommer), die schwere Geschütze gegen den Vorschlag auffuhr. Von Manchester Kapitalismus, Klassenkampf und Marx war dort zu hören. Als ob man vorgehabt hätte, den Müll in Zukunft von Elfjährigen in unsicheren Kohlegruben verstauen zu lassen. Volker schaffte es währenddessen als freier Redner die Debatte die Stimmung im gebannt lauschenden Saal etwas aufzulockern und gleichzeitig eine präzise Kritik am Vorschlag seiner eigenen Mannen anzubringen (was ihm hinterher den Vorwurf der Fahnenflucht einbrachte). Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit ins Debattieren war auch das Publikum schnell in der scharf geführten Debatte gefangen und quittierte am Ende die Leistung beider Seiten mit tosendem Beifall.

Die Pause vor der zweiten Debatte des Abends nutzten alle Teilnehmer für eine kleine Stärkung in einer nahe gelegenen Pizzeria wo man auch die ersten Biere verköstigte. Diese sorgten gemeinsam mit dem amüsanten Thema und der fortgeschrittenen Uhrzeit (Beginn war viertel nach 11) für eine deutlich heiterer geführte zweite Debatte. Die Heidelberger, diesmal in der Regierung, traten dafür ein, den Bundestrainer in Zukunft per Televoting vom Volk bestimmen zu lassen. Doch damit noch nicht genug. Geeignete Kandidaten sollten sich vorher auch noch für vier Wochen von Kameras beobachtet in einen Container sperren lassen.

Reichlich Angriffsflächen also für die in gleicher Zusammensetzung antretenden Gäste, die in der Folge die Wankelmütigkeit des Fußballvolkes (Herberger hätte man 1954 schon nach der Vorrunde „rausgevotet“) und dessen mangelnde Wirksamkeit zur Verbesserung des deutschen Spiels gegen den Vorschlag ins fällt führten. Volker trat erneut als freier Redner auf und beschäftigte sich zur Freude des Publikums mit den ästhetischen Problemen des Fußball-Fernseh-Knastes. Dem immer wieder in schallendes Gelächter ausbrechenden Publikum hatte auch diese Debatte hervorragend gefallen, was sich hinterher in der Publikumsabstimmung per Applaus in einem lautstarken Unentschieden niederschlug.

Der Abend war ein voller Erfolg für den Debattiersport und musste anschließend dementsprechend gefeiert werden. Bis spät in die Nacht zogen wir mit unseren Heidelberger Freunden durch verschiedene Heidelberger Clubs, tauschten alte Geschichten und Neuigkeiten aus der Debattierszene aus. An dieser Stelle übrigens noch einmal vielen Dank für die zur Verfügung gestellte Übernachtungsmöglichkeit! Die Teilnahme hat uns viel Vergnügen bereitet und wir hoffen auf ähnlich erfolgreiche gemeinsame Projekte in der Zukunft!

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