Würdevoller Abschied

Mit der ZEIT DEBATTE Hannover endete die altehrwürdige Turnierserie. Die Streitkultur verlor das letzte Finale, war aber unterm Strich auf verschiedenste Weise erfolgreich.

Starten wir mit einem Rückblick:

Vor knapp 16 Jahren fand in Tübingen die erste ZEIT DEBATTE statt- natürlich im OPD-Format. Vor rund zwei Jahren gewann auf der ZEIT DEBATTE Hannover ein gewisser Lennart Lokstein zusammen mit Nikos Bosse sein erstes großes Turnier. Und vor 4 Monaten errangen Marius, Samuel und Jan im Finale gegen Göttingen das letzte Mal die berüchtigten gläsernen ZD-Pokale.

Jetzt, im Mai, enden die ZEIT DEBATTEN, wie sie angefangen hatten: Mit einem OPD-Turnier. Lennart ist in Hannover nicht länger ein junger Teilnehmer, sondern gestandener Chefjuror zusammen mit Sibylla und der Immer-noch-Streitklulturlerin Anne. Nikos hat inzwischen die Seiten gewechselt und redet für Göttingen. Und Marius und Samuel probieren im neu gebildeten „Ozymandias“-Gespann mit Sven die Titelverteidigung in OPD (oder zumindest einen guten Einstand als Team).

Mit dabei sind außerdem fast schon traditionell „Aletheia“ (Anthea, Justus, Brian) und „Bellerophon“ (Franziska, Finn, Chiara). Anastasia und Sabine reden im Mixed-Team „St. Münsteringen“. Da dann auch noch Bea, Björn und David als Juroren hinzukommen, rollt in drei Autos tatsächlich die größte Turnier-Delegation aus Tübingen an.

Drücken wir für Freitag und Samstag ein bisschen die Vorspul-Taste: VR1- Lebendorganspenden, VR2- EU-Binnenmigration, VR3- Steuernachlässe für Spenden, VR4- Einfluss eines SIXTN-Musikvideos, VR5- Geschichtsdebatte zur Ein-Kind-Politik. Das Wetter ist gut, der Kaffee knapp, das Frühstücksbuffet hervorragend und die Chefjury offensichtlich ziemlich kreativ. Unter großem Applaus gibt der VDCH die Förderung der neuen Turnierserie (jetzt durch die ZEIT-Stiftung anstatt des ZEIT-Verlages) bekannt. Das Team-Outfit von Ozymandias sorgt für viel Aufsehen, begeht aber auch mehrere große Stilsünden. Über die Infotexte zu den Debatten – die echten und die mit Spaß gemeinten – gibt es auf Twitter große Diskussionen.

Die Chefjury hat etwas ausgeheckt…

…das SIXTN-Musikvideo sorgt für allgemeine Heiterkeit.

Da viele gute Teams am Start sind, die Punkte trotz neuer Skala nah beieinander liegen und die letzten beiden Vorrunden geschlossen sind, wissen wir am Samstag alle nicht so recht wo wir hinsteuern. Die Verkündung auf dem Social – stilecht auf einer Theater-Bühne – sorgt dann allerdings für allgemeine Freude:

  • Ozymandias zieht als Erstplatzierter ins Halbfinale ein. Samuel (Platz 6) und Sven (Platz 1) schaffen es in die Redner-Top-10.
  • Lennart und Bea breaken zudem als Juroren und Björn als Präsident.
  • Das Mixed-Team St. Münsteringen mit Anastasia und Sabine schafft es auf Platz 9 in die Team-Top-10.
  • Gleiches gilt für Aletheia (Platz 10), die auf dem Weg dahin sogar die Viertplatzierten aus Berlin schlagen.
  • Bellerophon sind auf Platz 17 ebenfalls eines der besten Einsteigerteams. Chiara hält außerdem eine der Vorrundenreden mit der höchsten Punktzahl.
  • Und last but not least nehmen unsere Einsteiger (und Justus) als Sieger im Pubquiz ein Gemälde (ja, richtig gelesen) mit nach Hause. Auch wenn das Heidelberger Clublogo darauf fast schon ein Grund gewesen wäre, es in Hannover zu lassen.

Alles in allem also ein bisschen viel Fangesangsarbeit für die Streitkultur-Kehlen, was uns von anderen Clubs prompt angekreidet wurde:

Das ganze Autobesatzung singt. Keiner von uns kann singen. Es ist uns egal.  (@StreitkulturTue)

Dass Ihr nicht singen könnt und es Euch egal ist, wissen wir seit dem Break (@der_hilario)

Das Social bietet der Streitkultur gleich mehrmals Grund zum Jubeln

Sonntagmorgen: Natürlich sind alle ziemlich müde- trotzdem steht die Streitkultur-Delegation in den KO-Runden ihren verbleibenden drei Rednern bei. Diese begeben sich zunehmend nervös auf die Mission Titelverteidigung. Die edle Kulisse im Hannoveraner Rathaus hat etwas Einschüchternes- bietet durch ihre Wandgemälde aber auch Anknüpfungspunkte für die kommenden Reden.

Im Halbfinale kommt es zu einem fast freundschaftlichen Duell gegen die Berliner (von wegen Clubrivalität). In einer starken Debatte über ein europäisches Hollywood läuft Samuel beim Entwurf potenzieller Blockbuster-Drehbücher zu Höchstleistungen auf. Es wird trotzdem richtig knapp- reicht aber am Ende gerade so für den Finaleinzug.

Verbrüderung mit der BDU nach dem Halbfinale

Dort kommt es zu einem doppelten Rematch: Auf die Göttinger um Nikos war man schon in Vorrunde 3 getroffen- und im Finale der ZEIT DEBATTE Hamburg. Bisherige Bilanz: 2:0 für Tübingen. Aber das das nichts heißen muss, stellt sich schnell heraus: In der Debatte über die Einführung von Laizismus lässt Göttingen aus der Opposition ihre gesammelte Erfahrung spielen, während Ozymandias eine ihrer schwächeren Leistungen erwischt.

Last-Minute-Absprachen und beginnende Resignation bei Ozymandias schon vor Beginn der Debatte

Alarm! Überall Kreuze! Das klingt schon echt gefährlich für die drei vampirisch blassen Jungs auf der Regierungsbank… da würde ich die Kreuze auch loswerden wollen. O.o“  (@Frau_mit_Hut)

Marius eröffnet vor feierlicher Kulisse…

…Samuel ergänzt trotz Laizismus-Position in Bet-Pose…

…und Sven referiert wieder auf sein liebgewonnenes Wandgemälde.

Entsprechend geht das Finale per einstimmigen Jury-Votum verloren. Die beste Finalrede errang verdientermaßen Nicolas aus Hamburg für seine emotionale und sehr persönliche Rede.

Am Ende des Tages trat man also ohne Glaspokale, sondern nur mit einer Acryl-Leinwand im Gepäck die lange Rückreise an. Mit etwas Abstand war es trotzdem ein erfolgreiches Turnier: Redner und Juroren haben alle noch viele Jahre vor sich- und ihr Potenzial einmal mehr angedeutet. Vor uns liegen die Campus-Debatten. Und sie werden beginnen wie damals die ZEIT DEBATTEN: Mit OPD in Tübingen.

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