Die Streitkultur Tübingen unterliegt in einer Millimeterentscheidung im Finale der Deutschen Debattiermeisterschaft 2011. Ein ausführlicher Bericht vom Turnier!

Tübingen – Donnerstag, den 09. Juni 2011, so gegen Mittag: Eher um das Zusammengehörigkeitsgefühle zu stärken, als aus logistischer Notwendigkeit treffen sich alle DDM-Fahrer die direkt aus Tübingen anreisen am dortigen Hauptbahnhof. Die Anfahrt beginnt mit nur geringen Verzögerungen.

Heidelberg – Donnerstagnachmittag: Rufverbessernde Pünktlichkeit versammelt die Rednerteams Streitkultur Hoppmann (Florian Kaemmler, Stephan Geyer, Georg Greven), Streitkultur Vergeest (Thea Nesyba, Konrad Gütschow, Simon Lehle), Streitkultur Rex (Marie Rulfs, Sarah John, Thomas Schröter) und Streitkultur Stölzgen (Pauline Leopold, Steffen Jenner, Dominic Hildebrand) in Heidelberg.  Als Juroren halten die scheidenden deutschen Meister Peter Croonenbroeck und Philipp Stiel zusammen mit Iris Reuter und dem doppelt vertretenen Michael Hoppmann die Tübinger Fahnen hoch.

Auch das Team "Streitkultur Vergeest" entspannt sich

Auch das Team „Streitkultur Vergeest“ entspannt sich

Jugendherberge Heidelberg – immer noch Nachmittag: Es stellt sich die Frage, ob Volker seinen Zivildienst in der JuHe Heidelberg nachholt, oder ob er von Willy dessen Job aus Bayreuth als offizieller Turnier-Hiwi übernommen hat. Volker versucht die Klärung der Frage zu umgehen, indem er sich als persönlichen Assistenten beschreibt. Zeitgleich üben Thea, Pauline, Steffen, Simon und Dominic den Wettkampfgedanken indem sie beim gemütlichen Bocciaspiel um jeden Zentimeter feilschen. Der Rest scheint lange beim Bettenbeziehen zu brauchen, oder sich die Redner- und Jurorenschulungen anzuhören.

Heidelberg – gegen Abend: Die Vorrunden beginnen. Das erste Thema lautet „Soll das Betteln verboten werden?“. Es folgt eine Stückvisite bei den Freibierbeständen des Ausrichterclubs und ein Besuch des Schwimmnbadclubs in der Nähe der JuHe. Hier frönen die Tübinger der üblich überschaubaren Tanzlust und verbringen die Nacht lieber plaudernd im Loungebereich indem von  den älteren Gesichtern einschlägige Halbwahrheiten übereinander an die jüngeren weitergegeben werden.

Zum Reinhören: Rede von Pauline Leopold im Finale der DDM 2011

 

Heidelberg – Der nächste Morgen: Unterschiedlich fit bestreitet man die nächsten Vorrunden mit unterschiedlich viel Kaffee und Red Bull. Die Teamlines gehen von Inhalt und Integrität, über Inexistenz bis hin zu importiertem Obst. Die Themen sind „Soll anonymes Veröffentlichen im Internet verboten werden?“, „Soll der Mineralölhandel staatlich kontrolliert werden?, „Soll Antigone Polyneikes bestatten?“, und „Soll Belgien geteilt werden?“. Etwas ermattet wird danach der Abend verstreut zwischen Jungendherbergsgelände und Altstadt vertieft in lange Gespräche und alkoholische Genüsse verbracht.

Steffen und Thea in der Pause - Erholung zwischen den Vorrunden

Steffen und Thea in der Pause – Erholung zwischen den Vorrunden

Heidelberg – Samstagmorgen: Die Vorrunden enden zum Thema „Soll der internationale Kampf gegen den Anbau und Handel von Drogen eingestellt werden?“. Der Break naht und bringt zwei Geschenke. Für Michael Hoppmann die indirekte Bestätigung seines letzten Platzes auf der ZEIT-Debatte in Tübingen im vergangenen Mai; für Karsten Stölzgen – nachträglich zur Hochzeit, wie Benedikt Nufer später anmerken wird – den Break auf dem vierten Platz des Vorrundentabs. Auch allen Tübinger Juroren gelingt der Einzug in die KO-Runden, genauso wie Simon, Sarah und Marie als fraktionsfreie Redner.

Heidelberg – Molkenkur: Nach erfolgreichem Achtelfinale zum Thema „Soll die EZB ein Vetorecht für die Haushalte der Staaten der Eurozone erhalten?“ und bestrittenem Viertelfinale zu der Frage „Soll Wikipedia in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen werden?“, haben das Team Stölzgen und unserer Juroren alle noch Breakchancen. Bei herrlichem Buffet und vom Ausrichter spendierten Getränken wartet man in ausgelassener Stimmung auf die Verkündung. Man fragt sich, was die Organisatoren für den großartigen Blick und den bilderbuchreifen Sonnenuntergang bezahlen mussten, aber ist sich allseits einig: Das war es auf jeden Fall wert!

Steffen Jenner im Finale der DDM 2011

Später – immer noch Molkenkur: Es gilt Preise zu erringen! Beim Public Speaking liefert sich Florian Umscheid mit Nicolas Eberle und Robert Lehmann eine hartes Kopf-an-Köpfe-Rennen. Von letzteren erfahren wir unter anderem, dass Chuck Noris bei Wartburg mit dem Stellen eines Antrags gewinnt. Das erinnert daran, dass Johannes Haug einst mit einer Eröffnungsrede zu einem falschen Thema eine Wartburgdebatte gewonnen hat. Hier drängt sich die Frage auf, ob Johannes in Wahrheit Chuck Norris ist. Dieser letzte argumentative Schritt fehlt den Mainzern leider. Florians Facebookleben siegt knapp. Der Streitkultur gefällt das! – Worauf Flo unmittelbar Fördermitglied unseres Prestige-Clubs wird und mit auf das sagenumwobene Streitkulturfoto darf. Dieses Mal auch dabei: Die Streitkultur Berlin. Die Jungs scheinen verblüfft, zu was für einer furios großen Gemeinschaft sie offenbar nun gehören.

Streitkultur im Halbfinale der DDM 2011

Streitkultur im Halbfinale der DDM 2011

Noch später – immer noch Molkenkur: Es gilt Preise zu verleihen! Leo Vogel aus Karlsruhe wird als bester Nachwuchsjuror ausgezeichnet; Sina Strupp aus Mainz bekommt den DDG-Nachwuchspreis. Herzlichen Glückwunsch an die beiden und ihre Heimatclubs. Wir schauen mit großen Erwartungen auf Euch. Direkt darauf folgt der Break und die Tübinger dürfen weiter mitfiebern. Pauline, Steffen und Dominic stehen im Halbfinale, Iris und Peter werden hier die zweite Debatte jurieren. Darauf wird noch mehr als einmal angestoßen, bevor es nach Hause geht.

Heidelberg – der letzte DDM-Tag bricht an: Das aus Tübinger Sicht interessante Halbfinale wird gegen St. Gallen bestritten. Das Thema lautet „Brauchen wir einen europäischen Marshall-Plan für Nordafrika?“. Unterstützt von Peter, der dieses Jahr bereit zu sein scheint, den Unpünktlichkeitsruf des Vereins zu verteidigen und vielen anderen jubelnden Streitkulturlern hält Pauline ihr Versprechen Lukas gegenüber physisch nicht ein. Sie versucht stattdessen – gemeinsam mit Steffen und Dominic – ihm einen debattantischen Tritt vors Schienbein zu verpassen. Die Juroren entscheiden: Es ist gelungen! Streitkultur Stölzgen steht im Finale der elften deutschen Debattiermeisterschaft.

Pauline während ihrer Finalrede

Pauline während ihrer Finalrede

Heidelberg – Festsaal der Alten Aula: In mehr als würdiger Atmosphäre erreicht das Turnier und damit das Debattierjahr 2011 seinen Höhepunkt. Die Finaldebatte stellt die Frage, ob Gesetze nur noch befristet gelten sollen? – Sie verläuft knapp aber nach langer Beratung der Juroren steht fest: Jena tauscht seinen Vizemeistertitel mit dem noch amtierenden Deutschen Meister, der Streitkultur Tübingen. Der ewige Vizemeister hat nun also endlich doch noch seinen verdienten Titel erhalten. Herzlichen Glückwunsch an Clemens, Moritz und Severin! Ihr habt es Euch verdient! Wir freuen uns mit Euch. Außerdem wissen wir jetzt, dass sich auch ein Vizemeistertitel hervorragend anfühlt.

Ein genauso herzlicher Glückwunsch gilt auch Lukas Haffert, der von der Finaljury als bester Redner ausgezeichnet wird! Auch das verdient und auch mit ihm freuen wir uns sehr. Diese DDM scheint auch endlich den Tüchtigen das Glück zu bringen.

Heidelberg – Vor der Alten Aula: Man bedankt sich stürmisch bei allen Ausrichter und namentlich bei Jenny, Christina, Till und Daniel. Vielen Dank für dieses denkwürdige Turnier. Wir hatten vier großartige Tage!!!

Tübingen – gegen Abend: Wir sind stolz und glücklich wieder zu Hause. Eine großartige deutsche Meisterschaft liegt hinter uns. Vizemeister, Vizemeister – hey, hey hey!

 

 

4 Kommentare
  1. Avatar
    Pauline sagte:

    Mensch, die beiden hab ich ganz vergessen. Kann man die bitte noch einfügen? Tut mir echt Leid!! Ich hab den Bericht ziemlich übermüdet im Zug geschrieben und bitte daher um Nachsicht. Entschuldigung an Sarah und Marie!

    Antworten
  2. Avatar
    Michael sagte:

    Herzlichen Glückwunsch noch einmal den deutschen Vizemeistern! Und kein Grund zum Tiefstapeln: Neben Simon haben auch Sarah und Marie (sowie Michael B. – wenn auch unter falscher Flagge) den Break in die K.O.-Runden geschafft.

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Einen ausführlichen Bericht über das Turnier könnt ihr hier lesen. […]

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.