Die Dramaturgie trifft jedes Stereotyp eines mittelmäßigen Trash-Horror-Streifens: Fünf junge attraktive Menschen gemeinsam im Auto, Ausflug, Wochenende. Drei College-Girls (Anna, Julia, Iris). Zwei College-Boys (Thomas, Felix). Alles ist möglich in diesem Sommer. Die Stimmung ist goldener Frühling, aufgeladen, erotisch. Das Ziel ist Heidelberg, die alljährliche Neckarwiesendebatte, gemeinhin bekannt als das Spring Break der deutschsprachigen Debattierszene.

Die nach ihrer abenteuerlichen Fahrt glücklich in Tübingen wieder angekommenen Streitkulturler

Doch dunkle Vorahnungen manifestieren sich, als der Wagen plötzlich liegenbleibt (zumindest im eineinhalbstündigen Stau). Ein Sturm zieht auf, Regen prasselt nieder, unerbittlich, nass. Wir suchen Schutz (außerdem Grillgut und Alkohol) im nächstgelegenen Supermarkt. Der nächstgelegene Supermarkt liegt, nach Suche und Verzweiflung, im Kellerraum einer anonymen Mietskaserne in Heidelberg, es ist kalt, Ghettogefühl. Einer finsterer Gang führt zu seinem Eingang, plötzlich, ein schreiender Junge rennt uns entgegen, sein Vater hält ihn fest. Licht geht an, es riecht nach Verwesung.

Wir haben Angst. Es gibt kein Fleisch, sagt der Besitzer des Markts, nur in der Tiefkühltruhe. Um was für Fleisch es sich handelt, bleibt an dieser Stelle der Phantasie von Splatterfilm-Fans überlassen.

Etwas später. Streitkultur ist jetzt komplett, die Zugfahrer Thea und Pauline begrüßen nach langem Warten ihre Kollegen aus dem Auto. Die von Heidelberg Debating angekündigten Rhetorik-Spiele können jetzt endlich beginnen. Da die Neckarwiese aufgrund des massiven Regens gesperrt ist, wurden die Spiele in den Keller einer anonymen Mietskaserne verlegt. Vis-a-vis des Horrorladens.

Der Favorit Streitkultur startet mit gleich drei Teams (Thea + Felix, Anna + Thomas, Pauline + Theresa). Ziel ist die Belustigung des Plenums durch Improvisationen zu vorgegebenen Themen. Den Einzug ins Halbfinale meistern die Streitkulturler mühelos gegen chancenlose Gegner.

Felix brilliert in der Anne-Will-Gesprächsrunde als Frauke, die Femistin. Humor ist eben immer noch  Tübingen.

Im ersten Halbfinale liefern sich Pauline und Theresa ein spannendes Kopf-an-Kopf Rennen gegen starke Mainzer. Beide Teams stellen grandios Romeo und Julia als Politiker nach (Pauli/Stoiber, Merkel/Koch), doch Streikultur gewinnt (wie immer).

Im zweiten Halbfinale breaken Thea und Felix wahrscheinlich unverdient. Thea kann sich jedoch im anschließenden Finale als die Frau der Stunde zeigen und düpiert die Konkurrenz mit einer freshen Rede zugunsten eines Verbots der Monogamie.

Somit kann Streitkultur entspannt den Preis für die Highdelberger Vereinsmeisterschaft, gemeinhin bekannt als das Wimbledon der deutschsprachigen Debattierszene, entegegennehmen: Felix und Thea gehen beide mit einem formvollendeten Schneebesen nach Hause, dem Schaumschläger 2009! Ein dreimal hoch auf Streitkultur! Streitkultur! Streitkultur! Streitkultur!

Die Rückfahrt gestaltet sich mühelos wie unser Sieg. Nur Thomas fällt dem übrigen Vereinsvorstand unangenehm auf, indem er einen Abstecher in den Vergnügungspark Tripsdrill verweigert.

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