© Keyvan Alvandi

Am Nachmittag des 05.12.2014 machten wir uns mit Bus und Flugzeug über Stuttgart, Frankfurt und Kopenhagen auf den Weg zum Lund IV nach Schweden. Wir kamen um zwei Uhr nachts im Hotel auf dem Campus der Universität in Lund an. Die erste Vorrunde hatte zu diesem Zeitpunkt bereits ohne uns stattgefunden. Nach kurzer Nacht verlief der darauffolgende Debattentag überraschend gut. Die ersten beiden Debatten gewannen wir, das Ergebnis der letzten beiden sollte erst am späten Abend verkündet werden.

Die Themen der Vorrunden lauteten:
1. „THW abolish juries“
2. „THBT women are morally justified in lying about their past experiences, abilities and future family plans at job interviews or applications“
3. „THW force all TV channels to dedicate a significant proportion of prime time to „high culture“ programs“
4. „Assuming it is possible, THW make people disclose their real identities in order to post or game on the internet“
5.“THBT there is no state duty to protect individuals from themselves“

Zwischen den Debatten wurden die anwesenden Teilnehmer von den Organisatoren aus Lund mit allerhand Leckereien bei Laune gehalten und mit berühmter schwedischer Gastfreundschaft umsorgt. Dazwischen blieb Zeit, um mit Jan, der gerade ein Auslandssemester in Lund macht und das IV mitorganisierte, das eine oder andere Schwätzchen zu halten. Am Samstagabend wurde für alle Teilnehmer ein sogenantes „Sittning“ veranstaltet. Offenkundig ging es bei dieser speziellen Form schwedischer Geselligkeit darum, über einen Abend hinweg an einer Tafel zu sitzen und, von gelegentlichen Speisen unterbrochen, lautstark Lieder zu grölen, deren Text man nicht verstand und deren Melodie man nicht kannte. Zwischendurch wurde ein Schnäpschen gereicht, um die allgemeine Lustigkeit zu erhöhen, obgleich nicht unbedingt die tonliche Treffgenauigkeit. Man fühlte sich gut unterhalten. Für die Verköstigung sorgte die Lund Debate Society in Eigenregie und zauberte ein ganz vorzügliches Vier-Gänge-Menü. Nachdem über einen Zeitraum von etwa zwei Stunden „demnächst/bald/gleich/jede Minute/sofort/jetzt“ der Break verkündet werden sollte, war es gegen Mitternacht endlich soweit. In den vier Debatten holten wir 11 von 12 möglichen Punkten und erreichten damit trotz der ersten verpassten Runde auf Platz 7 den Einzug ins Viertelfinale. Am nächsten Morgen ging es um 10 mit dem Viertelfinale weiter, glücklicherweise direkt im Hotel.

Das Thema des Viertelfinales lautete: „TH, as a student, would contract away your academic, financial and career decisions in return for a proportion of future earnings“
Ironischerweise stellten wir erst nach dieser Runde fest, dass die Oppositions- und die Regierungsteams zwei unterschiedliche Themen debattiert hatten. Während die 1. Regierung und wir in der 2. Regierung der Meinung waren, dass der Student Geld erhalten würde, dafür, dass er seine Entscheidungsfreiheit abgeben muss, gingen die Oppositionsteams davon aus, dass er Geld bezahlen würde, um von der Last seiner Entscheidungen befreit zu werden. Von den Chefjuroren gedacht war wohl die Interpretation der Opposition. Dennoch konnte sich Tübingen in einer knappen Entscheidung durchsetzen und zog ins Halbfinale ein.
Das Thema des Halbfinales lautete: „TH, as western nations, would take steps to prevent China from achieving energy independence“
In einer guten Debatte unterlagen wir schließlich und durften dem Finale zum Thema „THW promote the notion that the decision to have a child is a selfish one“nun aus dem Publikum beiwohnen. Nach dem Turnier wurde abends bei Pizza und Schnaps bei Emilia aus Lund und Gewinnerin des Finales Werwolf gespielt. Tatsächlich war es das deutsches Kartenspiel, das einer der Teilnehmer aus Israel vor Jahren mal in Deutschland gekauft hatte, dessen Regeln er allerdings nicht lesen konnte. Die Nacht und den Vormittag verbrachten wir bei Jan und plauderten bei einem opulenten Frühstück. Nach einem kurzen Stadtrundgang durch Lund traten wir die Heimreise über Kopenhagen, Zürich und Stuttgart nach Hause an und kamen mit dem letzten Zug müde und zufrieden in Tübingen an.

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