Siegreich wie in der Schlacht von Tannenberg, so wollten wir gerne das Geschichtsturnier in Marburg beenden – doch auch wenn Lennart und Nikos es im Finale nicht geschafft haben sich gegen den preußischen Landadel aus Berlin durchzusetzen, denke ich dennoch, dass wir uns als einzige Vertreter des Königreiches Württemberg sehr gut geschlagen haben. Angereist per Feuerross und Automobil durften wir und über Marburger Gastfreundschaft freuen, die uns bereits ab Freitag eine Unterkunft überließen.

Am nächsten Morgen ging es los: Zunächst erwartete uns eine Regeleinführung durch die Chefjury, die, was dem Besonderen des Turniers geschuldet war, etwas länger dauerte und uns in unsere Aufgabe als Kaiser, Senatoren, Präsidenten usw. einführte.

Was braucht man um erfolgreich an einem Geschichtsturnier teilnehmen zu können? Neben einigen kampfbereiten Legionen [Jonas und Helga als Steitkultur Nemesis sowie Lennart und Nikos als Streitkultur Hephaistos] und den weisen Richtern, die über allem stehen [Konrad, Jan und Tina] braucht es vor allem Geschichtsverständnis und den Willen, sich von tatsächlichen historischen Ereignissen zu lösen um die heiligen Richter von der Wahrscheinlichkeit der eigenen postulierten Zukunft zu überzeugen.

Debattiert wurde an diesem Wochenende zu folgenden Themen:

1. VR.: Es ist der 5. Juli 1914. Dieses Haus als Deutsches Reich würde Österreich-Ungarn einen „Blankoscheck“ für den Konflikt mit Serbien ausstellen.

2. VR.: Es ist Ende des Jahres 1862. Als Abraham Lincoln würde dieses Haus auf die Forderung nach der Abschaffung der Sklaverei verzichten, vorausgesetzt, dass sich dadurch der Bürgerkrieg beenden lässt.

3. VR.: Es ist Februar 44 vor Christus. Dieses Haus als Brutus würde sich der Verschwörergruppe um Cassius zur Ermordung Caesars anschließen.

4. VR.: Es ist Anfang 1961. Als USA würde dieses Haus einen gegenseitigen Neutralitätspakt mit Kuba anstreben.

Halbfinale: Es ist Herbst des Jahres 1923. Dieses Haus als Westalliierte würde Deutschland die Reparationen vollständig erlassen.

Finale: Es ist 1990 kurz vor der Wiedervereinigung. Als Bundesrepublik Deutschland würde dieses Haus „Auferstanden aus Ruinen“ (Becherhymne) als Nationalhymne für Gesamtdeutschland einführen.

Zu allen Themen wurden Fact Sheets ausgegeben, die den Teams als Hilfe und kleine Gedächtnisstütze dienten.

Am Abend bewiesen die Marburger dann einmal mehr, was man schon den Tag über hatte beobachten können: Organisationstalent. Denn trotz des kurzfristigen Ausfalls der Partylocation seitens des Inhabers gelang es ihnen binnen einer Stunde, einen würdigen Ersatz zu finden und den Abend zu retten. Dort wurde dann auch der Break verkündet:

So gelang Lennart und Nikos der Break ins Halbfinale, wo sie den Teams aus Potsdam, Iserlohen und Berlin gegenüberstanden. Dazu kamen im anderen Halbfinalraum Konrad und Jan, die beide als Juroren breakten.

Im Finale unterlagen die beiden dann knapp dem Team der Berliner Julian und Christoph – jedoch gelang es Lennart, den durch das Volk verliehenen besten Finalrednerpreis zu erobern.

Nachdem sich dann jedoch herausstellte, dass auch das Siegerteam aus Berlin als Preis keine Königstochter aus dem Brüder-Grimm Debattierclub bekam, war die Enttäuschung über den verpassten Turniersieg schnell vergessen und es bleibt die Erinnerung an ein historientaugliches Turnier. Vielen Dank allen Marburger Organisatoren und Helfern, sowie der Chefjury aus Daniil Pakhomenko und Tobias Kube dafür!

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.