Corona zum Trotz: Dieses Semester konnten wir schöner Weise viele neue Leute für das Debattieren gewinnen. Wie schon letztes Jahr haben wir ein paar unserer Erstis gefragt, ob sie uns mit Lob … äh, ich meine, mit einem neutralen Bericht ihres Einstiegs beglücken könnten. Jennifer und Simon waren so nett, uns dabei zu helfen.


Wenn ihr in die Streitkultur kommt, startet ihr als Juristen schon mit einem Vorsprung.“ Bereits in der Vorstellung des Debattier-Clubs konnte ich etwas dieser rhetorischen Finesse erleben, die bei Debattierenden so ausgeprägt ist. „Argumentieren und formulieren, das könnt ihr ja von Haus aus.“ So wurden wir aus unserer Vorlesung gleich in die Zoom-Meetings abgeholt, in denen wir das Debattieren lernten. 

Bei der Streitkultur steckt ja eigentlich schon im Namen, was man da macht: Kultiviert streiten. Wenn man Debattierende fragt, was Debattieren eigentlich ist, hört man häufig: „Du streitest dich, bloß mit Regeln.“ oder „Eine politische Diskussion mit Freunden, an deren Ende man sich aber nicht an der Kehle hängt.“ oder etwas in der Art. Und das bot man uns hier also an? Ich war sofort mit dabei.

In einer langen Ersti-Phase wurde uns vermittelt, wie eine Debatte abläuft und was ein:e Redner:in eigentlich macht. Wir hatten dabei reichlich Gelegenheit, diese neu gewonnenen Fertigkeiten auch gleich einzusetzen. In mehreren Debatten konnten wir erste Debattenluft schnuppern und von Erfahrenen Feedback bekommen. 

In den nächsten Wochen ging man tiefer und erfuhr, was so kryptischen Abkürzungen wir „OPD“, „OG“, „BP“, „CG“ oder auch „POI“ eigentlich bedeuten. Was sind eigentlich Argumente und wie baut man sie sinnvoll auf? Wie kommt man überhaupt auf passende Argumente? Wie gewinnt man eine Debatte? Naja, diese Fragen waren für mich jetzt erstmal nicht neu – an dieser Stelle sollte ich vermutlich offenlegen, dass ich bereits in meiner Schulzeit debattiert habe (wenn auch im WSDC-Format). Dennoch konnte hier jede:r etwas mitnehmen, was man in den folgenden Clubdebatten gleich anwenden konnte.

Das Einzige, was am Ende der Ersti-Phase noch gefehlt hat, war die PDF mit dem Aufnahmeantrag in die SK – eine Bezeichnung, die eigentlich alle inzwischen von den „alten Hasen“ übernommen hatten. Hier ist wirklich Kritik angebracht, denn so musste man ganz alleine danach suchen, wie man eigentlich bei dieser wunderbaren Sache mitmachen kann. So wie Debattierer:innen aber gewohnt sind, mit Feedback umzugehen, ist das sicherlich in der nächsten Ersti-Phase schon verbessert!

Simon Gruner
Füllwörter, Sprechtempo… Themen, mit denen sich Erstis herumschlagen müssen.

Streitkultur?

Von der Streitkultur, kurz SK, hab ich über die Fachschaft von Rhetorik erfahren.

Falls ihr gerade keine Ahnung habt, wie genau eine Debatte abläuft: Das wusste ich am Anfang auch nicht. Dennoch war ich neugierig.
Bei dem ersten Treffen wurden die Regeln und die Struktur erklärt. Wer wollte, konnte danach an einer Debatte teilnehmen. Es war nicht verpflichtend. Man war nicht verloren und konnte schnell einen Überblick gewinnen.

How it started…..

Weshalb ich gleich mitmachte, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr.
Gerade am Anfang war ich mir unsicher. Sieben Minuten ist eine lange Zeit. Noch nie davor hab ich eine Rede gehalten. Dementsprechend war das Nervositätslevel.
Von den sieben Minuten wurden mit ach und krach drei genutzt. Blackout mit eingerechnet. Es ist keine Katastrophe, im Gegenteil. Durch die SK bekommt man die Möglichkeit, an genau diesen Fähigkeiten zu arbeiten. Man lernt, wie man seine Punkte am besten präsentieren beziehungsweise verdeutlichen kann.

Jedes mal, wenn ich selbst kaum etwas Gutes an der Rede sehen konnte, wurde ich eines Besseren belehrt. In einer anschließenden Feedbackrunde, wird einem in freundlicher und ermutigender Atmosphäre gesagt, was man wie besser machen könnte. Man erfährt aber auch, was gut war und was man beibehalten sollte. Dank des Feedbacks kann man sich nacheinander die Punkte vornehmen, an denen man arbeiten möchte.

How it’s going:

Mittlerweile sind die Termine der SK bei mir fest eingeplant. Eine Rede zu halten, ist keine ungewohnte Situation mehr. Die Nervosität hat ab- und der Spaß hat zugenommen.

In diesen zwei Monaten habe ich begonnen zu lernen, wie genau man eine Rede aufbauen kann. Argumente nicht alleine stehen lassen zu lassen und mit Beispielen zu arbeiten.

Nicht zu vergessen ist der sozialen Austausch nach den Debatten, das gemeinsame Zocken oder die Lerngruppe. Für mich war es eine gute Entscheidung. Wer gerne diskutiert, es lernen möchte oder politische Themen interessant findet, ist in der Streitkultur sehr gut aufgehoben. Auch wenn das Format im WiSe20/21 anders ist als sonst. Es macht wirklich Spaß und hilft einem außerdem seinen rhetorischen Fähigkeiten zu verbessern.

Jennifer Götzinger