…aber hauptsächlich um Europa. 2019 haben wir das traiditionelle Professoren-Studenten-Duell mit der Europawahl verbunden. Es ging um die United States of Europe- Böhmermann sei dank. Ein Artikel von Chiara und ein Twitterfeed von Bea berichten.

Chiaras Bericht:

Mein allererstes Professoren-Studenten-Duell durfte ich nicht als Zuschauerin, sondern gleich als Rednerin miterleben.

Dass wir bei der Streitkultur einiges an rednerischen Fähigkeiten gelernt haben, bewies Anthea schon Wochen vor der eigentlichen Veranstaltung: In einigen Telefonaten mit dem ZDF überredete sie sie (wahrscheinlich in Form eines armen Praktikanten) zur Herausgabe der Bildrechte (und seiner Seele?). Durch die darauffolgenden Werbeaktionen, die nun durch großartiges Bildmaterial unterstützt wurde, konnten wir dann selbst denn etwas überdimensionalen Hörsaal 25 des Kupferbaus gut besetzten.

Richtig seriös nur mit Fähnchen und Luftballons: Sven eröffnet den PSD.
Das Objekt der Begierde: Die wie immer famose Röcker-Torte- man beachte den Comicstil identisch zum Böhmermann-Video.

Passend zur Europawahl debattierten wir: „Brauchen wir langfristig die Vereinigten Staaten von Europa?“ Auf Opposition bereitete uns das Thema in der Vorbereitung wegen dem Aspekt der Langfristigkeit etwas Kopfzerbrechen (Danke Sven!). Dennoch fühlte sich unser Team (oder besser gesagt meine beiden Mitstreiter) gut für die Debatte gerüstet. Meine Nervosität steigerte sich durch die Größe des Hörsaals und die Zahl der Anwesenden. Während Jan, für den es immerhin schon das dritte PSD war, und Marius, in der Debatte mit seinem neuen Titel als Süddeutscher Meister angekündigt (bloß kein Druck), über die korrekte Form ihre Reden zu gendern diskutierten, fragte ich mich, wie schnell man sich nach einer vergeigten PSD-Rede wieder in Bayern einbürgern lassen könnte.

Bevor ich genauere Recherchen anstellen konnte, eröffnete Professor Thomas die Debatte für die Professoren. Als Juraprofessor durchaus redebewandert plädierte er für ein freies und von den Bürgern regiertes Europa. Rumor has it (siehe Beas Twitteraccount) durch das Beispiel seines kleinen Sohnes, habe er die Debatte für sich entschieden (Fazit: Auch wenn Marius mir da vielleicht nicht zustimmt, wir brauchen mehr Eltern in der Streitkultur).

Marius erwiderte, indem er die uns unterstellte Europafeidlichkeit zurückwies und am Beispiel des bekannten „italienischen Malers Picasso“ den Patriotismus einzelner Nationalstaaten ausführte. Dr. Barrios, seines Zeichens Politikwissenschaftsdozent, zeichnete anschließend ein klareres Bild seiner Vision der Vereinigten Staaten von Europa und nutze seine ganze Expertise, um ein mögliches politisches Konzept zu entwickeln. „Föderal oder zentralistisch?“- das war die Frage, die sich nun stellte. Während Doktor Barrios noch für ein föderales System plädierte, machte Jan in seiner Rede klar, dass sich ein solches System immer … kontem … kompri … ja, komprimiert … oder so.

Die Debatte geht weiter. Herr Barrios erzählt über die Europaliebe in Spanien.

Für eine Einschätzung der Freien Reden diene an dieser Stelle Beas Twitterthread, da in meinem Kopf an dieser Stelle ein schwarzes Loch klafft, weil ich mit meiner eigenen Rede (und Nervosität) beschäftigt war. Professor Widder schloss die Debatte schließlich für die Opposition und erzählte die Geschichte Europas und den Mythos von Zeus und Europa. Jan versuchte das Bild mit einem Zwischenruf zu entromantisieren: „Das ist vor allem eine Missbrauchsgeschichte.“ Wo er Recht hat…

Ich begann meine Rede klassisch, indem ich über Freiheit rede, was mit NATÜRLICH als politisches Bekenntnis auslegt. Davon, dass ich auch über Demokratie und Handlungsfähigkeit gesprochen habe schweigen die einschlägigen Medien (Subjektive Berichterstattung von Bea!!)

Schließlich gewannen die Professoren das Duell um Europa knapp per Publikumsentscheid. Trotzdem gab es keinen Streit um die Torte, sondern es wurde gerecht geteilt und Professor Thomas schenkte allen großzügig Sekt nach. An der Stelle natürlich ein riesiger Danke an die Konditorei Röcker! Der Zuckerschock war es wert. Wir hoffen wir sehen einige der Dozierenden zur Revanche nächstes Jahr wieder, aber nur wenn ihr wieder die Torte teilt?

Die Geste des Siegers? Frau Widder im Handshake mit Joschka.

Beas Twitterfeed:

Professoren vs Studenten an der Uni Tübingen: „Brauchen wir die Vereinigten Staaten von Europa?“ Die erste Rede läuft und die Profs holen gleich Punkte in Kontaktfähigkeit indem Geschichten von Kleinkindern erzählt werden

19:28

Es gibt zwar keinen Hashtag und bestimmt kaum Leser, aber ich werde trotzdem Live Updates geben. Zu Marius: er spricht über den Elfenbeinturm und über den Italiener Picasso, aber zudem versucht er klarzustellen, dass Europa =/= EU und was „Vereinigte Staaten“ überhaupt heißen

19:33

Zweiter Redner der Profs (Reg) ist H. Barrios. Inhalt: Einmal war ich Europaskeptiker, aber jetzt finde ich es geil. Die Zwischenfrage von Lennart enthält eine Kängurureferenz, aber mehr Humor ist kaum auffindbar.

19:41

Die Redezeit ist längst vorbei. Sven ist allerdings eingeschüchtert und traut sich nicht zu klingeln.

19:43

Jan: sucht nach einem Wort mit K. Komprimiert, korrumpiert… Das sind doch alles bürgerliche Kategorien.

19:45

Zwischenfrage des PoWi-Profs: es wird so technisch, dass es sogar Marius zu viel wird (Sven ist weiterhin eingeschüchtert und unterbricht die 30sekündige Frage nicht)

19:46

Anthea redet über Spanien und stellt sich auf Seiten der Opposition. Barrios springt nach ihrer Rede auf, kann sich kaum zurückhalten nicht schon während Svens Anmoderation loszureden und… Überraschung! Er ist Spanier.

20:04

Lennart, dritter fraktionsfreier Redner, hat sich nicht vorbereitet und ist stolz drauf. Seine Rolle als OPDler erfüllt er nur so mäßig: er redet zwar frei, aber bringt Inhalt.

20:07

Die Schlussreden ist das Battle zweier Frauen. Chiara auf Seiten der Studenten gegen Frau Prof. Widder.

20:11

So oft, wie das Wort „Freiheit“ in Chiaras Rede fällt, könnte man fast meinen, sie gehöre einer liberalen Partei an.

20:13

Letzte Rede: „Europa beginnt mit einer Liebesgeschichte“ – Ein gestaltenwandelnder Vergewaltiger (Zeus) entführt als Rindvieh die Tochter des phönizischen Königs (Europa)

20:23

Ende der Debatte. So viel Applaus wie am Ende dieses Duells kriegen die Professor am Ende von Vorlesungen sicher nicht. Wenn das mal nicht super Werbung ist. Außerdem gewinnen mal wieder die Profs. Nicht weil sie die bessere Seite hatten oder einfach liebenswürdig waren…

20:28

…. Sondern weil sie ziemlich abgingen und es sich verdient haben. Herzlichen Glückwunsch an die Professor*innen und guten Appetit!

20:29