20 Regeln für den schlechten Debattierer
- Der Redner ist ein Schauspieler. Große Gestik, wilde Mimik und eine gut einstudierte Rolle – was Aufmerksamkeit erregt gefällt.
- Beginne und beende jede Rede mit einem – und wo möglich dem gleichen – Zitat: Je bekannter, desto besser.
- Keine Rede ist vollständig ohne eine Gliederung, die Du 1. ankündigst, 2. durchführst und 3. am Ende wortwörtlich wiederholst
- Zwischenfragen sind dazu da, mit altbewährten Phrasen abgebügelt zu werden, denn sie hatten ja ihre Zeit.
- Eine gute Argumentation lebt von Zahlen und Statistiken. Hast Du mal keine passende zur Hand, so denke dir einfach eine aus!
- Für den Fall, dass die Argumente des Gegners zu gut sind, greife den Redner einfach persönlich an. Das überzeugt die Jury und das Publikum und beweist die eigene intellektuelle Überlegenheit.
- Keine Rede darf ohne eine vollständige Begrüßung jedes einzelnen Anwesenden beginnen – das Hohe Haus wird es Dir sonst verübeln!
- Denke immer daran: Die Debatte wird realistischer, wenn man voll in seiner Rolle aufgeht und möglichst viele Details aus dem echten Parlamentsalltag in seine Rede einflicht.
- Denke daran, dass in jeder Debatte die Presse anwesend sein könnte. Sag ja nichts, was Du nicht auch als Frauenbeauftragte bei amnesty international sagen würdest.
- Es gibt keine Rede, in der es sich nicht lohnt, auf Deutschlands jüngere Vergangenheit oder die Pisa-Studie hinzuweisen.
- Hab stets im Hinterkopf: Die Jurorenbewertung ist ein erstes Angebot. Nachverhandeln lohnt immer!
- Kaufe Dir einen Anzug und lass ihn für dich sprechen!
- Sei unverzagt, wenn du in der Debatte nicht alle Argumente losgeworden bist. Es gibt ja immer noch die Nachbesprechung!
- Dein stärkstes Argument sollte immer das Finanzierungsargument sein.
- Das Debattieren ist eine ernste Sache. Sei also recht verbissen, gönne dem Gegner nichts und gräme dich nach einer Niederlage.
- Es gibt nicht zu viele Argumente, sondern nur eine zu langsame Sprechgeschwindigkeit.
- Eines der wichtigsten Mittel der Überzeugung ist der Blick: Bei eigener Argumentation fest auf dem Manuskript, bei Widerlegungen den Gegner fixierend und bei Zwischenfragen unbedingt auf den Präsidenten gerichtet.
- Traditionen gehören gepflegt. Greife dir bei Zwischenfragen eifrigst an das Hinterköpfchen. Vielleicht regt es ja das Denkvermögen an.
- Nur eine ausformulierte Rede ist eine gute Rede. Sie wird schon irgendwie in die Debatte passen – Nur Mut bei der Interpretation der Frage!
- Die Debatte wird am Vorabend gewonnen. Wer früh ins Bett geht, ist am nächsten Tag besser vorbereitet.
Frei nach Tucholsky, Tim-C. Bartsch und Michael Hoppmann
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