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20 Regeln für den schlechten Debattierer

  1. Der Redner ist ein Schauspieler. Große Gestik, wilde Mimik und eine gut einstudierte Rolle – was Aufmerksamkeit erregt gefällt.
  2. Beginne und beende jede Rede mit einem – und wo möglich dem gleichen – Zitat: Je bekannter, desto besser.
  3. Keine Rede ist vollständig ohne eine Gliederung, die Du 1. ankündigst, 2. durchführst und 3. am Ende wortwörtlich wiederholst
  4. Zwischenfragen sind dazu da, mit altbewährten Phrasen abgebügelt zu werden, denn sie hatten ja ihre Zeit.
  5. Eine gute Argumentation lebt von Zahlen und Statistiken. Hast Du mal keine passende zur Hand, so denke dir einfach eine aus!
  6. Für den Fall, dass die Argumente des Gegners zu gut sind, greife den Redner einfach persönlich an. Das überzeugt die Jury und das Publikum und beweist die eigene intellektuelle Überlegenheit.
  7. Keine Rede darf ohne eine vollständige Begrüßung jedes einzelnen Anwesenden beginnen – das Hohe Haus wird es Dir sonst verübeln!
  8. Denke immer daran: Die Debatte wird realistischer, wenn man voll in seiner Rolle aufgeht und möglichst viele Details aus dem echten Parlamentsalltag in seine Rede einflicht.
  9. Denke daran, dass in jeder Debatte die Presse anwesend sein könnte. Sag ja nichts, was Du nicht auch als Frauenbeauftragte bei amnesty international sagen würdest.
  10. Es gibt keine Rede, in der es sich nicht lohnt, auf Deutschlands jüngere Vergangenheit oder die Pisa-Studie hinzuweisen.
  11. Hab stets im Hinterkopf: Die Jurorenbewertung ist ein erstes Angebot. Nachverhandeln lohnt immer!
  12. Kaufe Dir einen Anzug und lass ihn für dich sprechen!
  13. Sei unverzagt, wenn du in der Debatte nicht alle Argumente losgeworden bist. Es gibt ja immer noch die Nachbesprechung!
  14. Dein stärkstes Argument sollte immer das Finanzierungsargument sein.
  15. Das Debattieren ist eine ernste Sache. Sei also recht verbissen, gönne dem Gegner nichts und gräme dich nach einer Niederlage.
  16. Es gibt nicht zu viele Argumente, sondern nur eine zu langsame Sprechgeschwindigkeit.
  17. Eines der wichtigsten Mittel der Überzeugung ist der Blick: Bei eigener Argumentation fest auf dem Manuskript, bei Widerlegungen den Gegner fixierend und bei Zwischenfragen unbedingt auf den Präsidenten gerichtet.
  18. Traditionen gehören gepflegt. Greife dir bei Zwischenfragen eifrigst an das Hinterköpfchen. Vielleicht regt es ja das Denkvermögen an.
  19. Nur eine ausformulierte Rede ist eine gute Rede. Sie wird schon irgendwie in die Debatte passen – Nur Mut bei der Interpretation der Frage!
  20. Die Debatte wird am Vorabend gewonnen. Wer früh ins Bett geht, ist am nächsten Tag besser vorbereitet.

Frei nach Tucholsky, Tim-C. Bartsch und Michael Hoppmann