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Bernd Rex, 07.01.2002

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Zitatvorgabe:

Genesis 3, 16

Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein.


Liebe Anwesende. Ich wünsche Euch allen ein gutes und frohes Neues Jahr!
Ich freue mich, doch auch in diesem Jahr wieder bekannte Gesichter hier erkennen zu dürfen und hoffe Ihr habt die Feiertage genauso gut im Kreise der Familie verbracht. Vielleicht hat der eine oder andere von Euch es geschafft in die Kirche zu gehen. Dort wird zu dieser Jahreszeit, traditioneller Weise die Weihnachtsgeschichte vorgetragen.

Nun, eine andere sehr bekannte Geschichte aus der Bibel ist die, in der der Mensch in Ungnade fiel und von Gott aus dem Paradies vertrieben wurde.

Wir erinnern uns an die Geschehnisse. Nachdem Gott die Welt, Pflanzen und Tiere und schließlich auch den Menschen erschaffen hatte, begab sich folgendes:

1. die Schlange war listiger denn alle Tiere auf dem Felde, die Gott der HERR gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von den Früchten der Bäume im Garten?
2. Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten;
3. aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Eßt nicht davon, rührt's auch nicht an, daß ihr nicht sterbt.
4. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben;
5. sondern Gott weiß, daß, welches Tages ihr davon eßt, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist.
6. Und das Weib schaute an, daß von dem Baum gut zu essen wäre und daß er lieblich anzusehen und ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte; und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß.

Gott nun aber merkte was geschehen war.

Ein Gebot hatte er den Menschen gegeben - ein Gebot: eßt nicht von dem Baum und dieses eine Gebot konnte der Mensch nicht halten, dieses eine Gebot hat er gebrochen! Und wir alle wissen wie die Geschichte endete - Gott verbannte den Menschen aus dem Paradies. - und - dies tat er aber nicht ohne den Menschen noch ein paar Worte auf den Weg zu geben.

17. Und zu Adam sprach er: Dieweil du hast gehorcht der Stimme deines Weibes und hast gegessen von dem Baum, davon ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen, verflucht sei der Acker um deinetwillen, mit Kummer sollst du dich darauf nähren dein Leben lang.

16. Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Schmerzen schaffen, wenn du schwanger wirst; du sollst mit Schmerzen Kinder gebären; und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, und er soll dein Herr sein.

Als ich dies zum ersten Mal las, war ich ein wenig überrascht. Die Aufgabe der Frau auf der Welt ist es Schmerzen zu erleiden, nach ihrem Manne zu verlangen und sich ihm unterzuordnen? Ist das die christliche Sicht, wie Mann und Frau zusammen leben sollen???

Ich las weiter und suchte nach Stellen in der man in der Bibel sehen konnte, welches Bild der Frau hier vermittelt werden soll. Und ich wurde fündig.

In Genesis 19 wird berichtet, das zwei Engel Lot in Sodom besuchten. Er beherbergte die beiden in seinem Haus. Aber dies blieb nicht unbemerkt. Eine aufgebrachte Menge, die aus der Stadt gekommen war, wollte die Engel stellen. Da bot Lot an:

8. Siehe, ich habe zwei Töchter, die haben noch keinen Mann erkannt, die will ich herausgeben unter euch, und tut mit ihnen, was euch gefällt.

Kurz die Vergewaltigung von Jungfrauen (seinen eigenen Töchtern) gegen das Gastrecht von Engeln - denen sowieso nicht passiert wäre.

Beispiele dieser Art gibt es in nicht enden wollender Fülle in der Bibel, im 5ten Buch Mose (21, 11-14) findet man sogar eine Anleitung, wie man im Krieg erbeutete Frauen zu missbrauchen habe!

Wer nun denkt; dies sind doch alte Kamelen aus dem alten Testament - im neuen Testament findet man so etwas nicht mehr - der täuscht sich, der täuscht sich arg.

So findet man ähnliche Stellen bei den Propheten Mattheus, Markus und Lukas. In den Korintherbriefen findet man auch noch einmal sehr ausführlich, wie sich eine Frau in der Gemeinschaft zu verhalten habe.

34. Wie in allen Gemeinden der Heiligen lasset eure Weiber schweigen in der Gemeinde; denn es soll ihnen nicht zugelassen werden, daß sie reden, sondern sie sollen untertan sein, wie auch das Gesetz sagt.
35. Wollen sie etwas lernen, so lasset sie daheim ihre Männer fragen. Es steht den Weibern übel an, in der Gemeinde zu reden.

Nun mag so mach einer einwenden: das ist altes Zeug, es kommt auf die an, die die Bibel lesen. Nun, einer der Menschen, die die Bibel sehr gründlich gelesen haben und zweifelsohne sehr religiös waren, war Martin Luther. Von Ihm ist folgendes Zitat überliefert: "Wenn ein Weib schwanger wird und bei der Geburt stirbt, spielt das keine Rolle. Lass sie bei der Geburt sterben, es ist Ihre Aufgabe zu gebären."

Schmerzen erdulden, Gebären, dem Manne sich unterordnen und dienen! Das ist dies Aufgabe die die Bibel der Frau zugesteht, zugedacht hat.

<PAUSE>

An dieser Stelle war ich mehr als überrascht. Denn die Frauen, die ich in meinem Leben kennen lernen durfte, waren alles andere, als das was die Bibel hier fordert. Und mal Hand aufs Herz, meine Herren. Frauen die nicht, diesem Idealbild entsprechen, sind doch die, die uns interessieren. Denen man sich nicht entziehen kann. Die einen Mann anziehen, wie eine Motte das Laternenlicht in einer schwülen Sommernacht.

Ich begann erneut die Bibel zu lesen.

Gott schuf Himmel und Erde, die Pflanzen und allerlei Getier.
Und Gott sprach am fünften Tag: Laßt uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei.
27. Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, und schuf sie einen Mann und ein Weib.

Etwas weiter, las ich:

Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.

Gehilfin? Wie? Wieso, ist Adam den allein? Hieß es nicht vorher - Gott schuf den Menschen als Mann und Weib? Ich las weiter bekam aber auf meine Frage keine Antwort. Dort findet man nur diese Stelle in der Gott Adam eine Rippe entnimmt und daraus Eva machte.

Ja, nun? Was ist jetzt mit der ersten Frau? War das einer dieser unsäglichen Übersetzungsfehler in der Bibel? Habe ich hier etwas falsch verstanden?

Das machte mich Neugierig. Ich habe gesucht, geforscht und gefunden.

In den alten Mythen und Sagen, die die nicht in der Bibel stehen. Die Mythen und Sagen der Summerer, Babylonier, Assyrer, Kanaaniter, Perser, Hebräer, Araber und sogar der der Teutonen.

Sie alle kannten Adams erste Frau. Lilith. Und sie fürchteten sie.

In alten rabbinischen Kommentaren kann man lesen, daß Lilith, Adams erste Frau war. Adam und Lilith fanden aber niemals Frieden miteinander. Lilith war nicht bereit sich Adam zu unterwerfen. Und das aus gutem Grund. Sie war erschaffen, aus der gleichen Erde wie Adam. Im gleich und ihm Gleichberechtigt.

Symbolisiert wurde Liliths Einstellung dadurch, daß sie sich weigerte, beim Sex die Missionarstellung einzunehmen. Sie wollte aktiv das Liebesspiel mitbestimmen und auch mal "oben sitzen". Ein Symbolismus der sich übrigens auch in andere Religionen Eingang fand. So kann man in muslimischen Schriften lesen: "Verflucht sei der Mann, der die Frau zum Himmel und sich selbst zur Erde macht."

Auch in unserem Kulturkreis ist Lilith nicht unbekannt. Noch bei Goethes Faust findet man Lilith wieder. Faust fragt während dem zauberischen Treiben auf dem Bocksberg: "Und wer ist die da?!" Und Mephisto antwortet: "Lilith, Adams erstes Weib, nimm dich in Acht vor ihren schönen Haaren, vor diesem Schmuck, mit dem sie einzig prangt, tut sie damit den jungen Mann umfahren, so lässt sie ihn so bald nicht wieder fahren."

Zurück zu Adam. Dieser war von Liliths Verhalten so verunsichert, dass zwischen den beiden ein heftiger Streit ausbrach, den Lilith nicht anders entscheiden konnte, als dass sie aus dem Paradies flüchtete. Gott aber strafte Sie - durch ewiges Gebären vom zu sterben verdammten dämonischen Kindern und ein Dasein als ausgestoßene lüsterne Verführerin und grausame Kindsmörderin.

Der Mythos um Lilith war geboren. Sie erschien in fast allen Religionen wieder, als das Urbild des "wollüstigen Weibes", der Göttin der Prostitution und Onanie. Gefürchtet war sie auch als dämonische Kindsmörderin. Der direkte Gegensatz zu Eva - deren Aufgabe ja das Gebären ist.

So teilte sich das Frauenbild über Jahrtausende hinweg. Auf der einen Seite die verehrte, demutsvolle, keusche, treue, "mütterliche" und sich dem Manne unterordnende Eva. Die letztlich nur für Küche, Kirche und Kinderzimmer geschaffen ist.
Und auf der anderen Seite die verdammte, sinnliche, verführerische, lustvolle, leidenschaftliche und eigenständige Lilith.
Man könnte sagen: Die Heilige und die Hure.

Also gibt es doch noch mehr, als nur Schmerzen, Gebähren und Unterwerfen für die Frau. In diesen Aspekten die in jeder Frau zu finden sind, spiegeln sich die extremen Pole der Weiblichkeit, die es für uns Männer so schwer machen.

Wir haben Sehnsucht nach der lieben, sorgenden, treuen Partnerin - bei der wir aber immer Angst haben, das der Alltag Langeweile und Lustlosigkeit mit sich bringt.

Und wir haben Sehnsucht nach dem Abenteuer. Nach der leidenschaftlichen, der nicht beherrschbaren Frau. Die sexuell Aktiv ist. Die ihren eigenen Kopf hat. Mal ehrlich, meine Herrn! Welche Frau interessiert uns mehr? Die liebe Mutti, die am Herd steht und die Kinder versorgt? Die Fenster putzt und stinkende Windeln wechselt? Oder doch das wilde Weib von nebenan? Die mit Ihrer Sinnlichkeit nicht zurückhält. Der ein tiefes Dekolleté nicht peinlich ist. Uns sogar tiefen Einblick in Ihre Weiblichkeit erlaubt. Die, die unsere sexuelle Phantasie anheizt und mit uns spielt, indem sie mehr zeigt als erlaubt, aber weniger, als wir gerne sehen würden.

Aber diese Frau können wir nicht beherrschen. Mit einer solchen Frau muss man sich neue Wege des Zusammenlebens ausdenken. Aber davor haben die meisten Männer Angst und langfristig gewinnt die Sehnsucht nach dem lieben Eheweib. Und die Lust? Die erfüllt man sich klassischerweise bei Prostituierten oder der wilden Geliebten, die wenn man sie nicht mehr beherrschen kann oder nicht mehr dem Geschmack entsprechen, einfach abschieben kann. So etwas nennt man dann Doppelmoral.

Denn was wir Männer wollen, ja brauchen, das ist eine richtige Frau. Eine Frau die beide Seiten der Weiblichkeit in sich trägt. Ehefrau und Geliebte. Die Heilige und die Hure.

Und wir haben die Chance. Wir sind heute weiter als unser naiver Adam. Adam, der mit einer gleichberechtigten Frau nicht zurecht kam, der der sexuell so einfältig war, das ihm außer der Missionarsstellung keine andere lustvolle Variante des Zusammenseins einfiel und der bis er Eva bekam, sich an allen Tieren versuchte.

Wir sind heute weiter. Männer von heute können auch mit dominanten Frauen zusammensein.

Aber leider ist das Erbe von tausendenden von Jahren immer noch allgegenwärtig. In den Jahren, in denen ich auf der Suche nach einem Partner fürs Leben war, fand ich leider viele Evas. Nicht so extrem, wie in der Bibel gefordert, aber dennoch, mehr Eva als alles andere. Aber ich fand auch ein Paar Frauen, die sich zu Ihrem Frausein bekannten. Die beide Seiten Ihrer Weiblichkeit akzeptierten und lebten.

Die Rolle der Frau ist nicht nur Schmerzen zu erleiden und zu dienen. Die Bibel irrt, oder sagt zumindest nicht alles, in diesem Fall.

Es ist nicht leicht. Es ist nicht leicht, mit einem anderen Partner gleichberechtigt zusammen zu leben. Aber ich denke wir haben eine Chance. Und ich für meinen Teil, werde nicht aufgeben. Ich suche weiter nach der Frau, die eine ganze Frau ist und sich dazu bekennt. Und ich werde es weiterhin versuchen, einen Weg zu finden, eine Partnerschaft mit Ihr zu gestalten, die ein gleichberechtigtes Zusammenleben ermöglicht.

Danke.

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