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Debattant, Debatteur, Debattuent - was ist richtig? |
Wie heißt es richtig - Debatter, Debattierer, Debatteur, Debattant oder vielleicht doch Debattuent?
Da ich erst kürzlich in einer zotigen Stunde wieder nach meiner
Position zur "Debatter" / "Debattierer" / "Debattant" /
"Debatteur"-Frage - kurz: D-Frage - gefragt worden bin, antworte ich
jetzt endlich - nach gebührlicher Abwägung und nach Rücksprache mit dem
Ministerpräsidenten und dem Innenminister von Brandenburg - meine
Antwort:
Richtig ist: DEBATTANT.
Begründung:
1. Die lateinische Wurzel dieses über das Vulgärlateinische und
Französische zu uns gekommenen Wortes lautet "battu-", dessen Partizip
Präsens Aktiv, das neben -tor ("Autor" aus "augere") und -- ("Konsul"
aus "consulere") und im Französichen -eur ("Frisör", "Stör", "Gehör")
unter anderem als nomen-agentis-Suffix in Frage kommt (vgl. "Agent" zu
"agere"), jedoch eigentlich "battuens" lautet. "Debattieren" geht aber
über das französische "débattre" auf diese lateinische Wurzel zurück,
genauso wie "Kombattant", wie von Herrn Hoppmann bereits vermutet,
tatsächlich über das französiche "combattre" (oder so ähnlich) auf
dieselbe Wurzel zurückzuführen ist.
2. Die alexandrinischen Grammatiker stritten sich darum, ob die Sprache
völlig von Analogie oder auch von Anomie beherrscht ("Anomie
beherrscht": Oxymoron) sei. Die Entscheidung für die Anomie hilft hier
nicht weiter, da es keinen anomalen Ausdruck gibt, da "Debatter" nicht
mal anomal ist; das ist auch nicht abnormal, es ist pervers. Aus
demselben Grund verabschieden sich die rhetorischen puritas-Kriterien
vetustas und consuetudo. Auctoritas führt hier auch nicht weiter, da
sich für die verschiedenen Kanditaten wohl etwa gleich gewichtige und
gleich wenige Autoritäten anführen ließen. Ratio ist nicht spezifisch
genug; eine Art ihrer Konkretion besteht jedoch in der Analogie. Damit
ist das Kriterium gefunden.
3. Aus dem Untersatz 1. und dem Obersatz 2. ziehe ich den Schluss: Es heißt DEBATTANT.
Persönlicher Zusatz über meine tieferen Gewissenskonflikte bei der Entscheidung:
Das richtige Partizip zu "debattuo" lautet "debattuens"; das nomen
agentis müsste also "Debattuent" lauten. Ein Verstoß gegen das
Innenleben der lateinischen Sprache löst bei mir schwere
Gewissenskonflikte aus. Nun ist aber "debattuo" selbst bereits belegt,
und zwar in Verbindung mit "dominam" bei Petronius (69,3), und bedeutet
entsprechend: tüchtig stoßen, gehörig bedienen. Wegen der mit dieser
Tätigkeit verbundenen Gefühle schien mir "Debattuent" nicht ganz
passend auf das, was wir mit Bernd, Tim und Björn jetzt 34h 39min getan
haben (Igitt; eine schreckliche Vorstellung! Nicht vorzustellen!).
Gleichwohl sollten wir den Ehrentitel DEBATTUENT für solche DEBATTANTEN
reservieren, die sich über das Reden hinaus Verdienste ums Debattieren
erworben haben, insbesondere die Urheber des ersten Debattenbabys.
Ferner schlage ich eine 15-Minuten-Rede über Petronius 69,3 vor.
Gutachterlichst,
...
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