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"Rhetorik sei also als die Fähigkeit definiert,
das Überzeugende, das jeder Sache
innewohnt, zu erkennen."
Aristoteles, Rhetorik
Warum wird in Debattierclubs eigentlich debattiert? Neben dem Spaß an
der Sache geht es offensichtlich immer auch um Kompetenzentwicklung.
Das studentische Debattieren kann vor allem in zwei Aspekten schulen:
klares Denken und überzeugendes Reden.
Klares und strukturiertes Denken
Das folgerichtige, klare Denken wird in der Debatte vor allem mit Hilfe
des Wechsels von Rede und Gegenrede geschult. Die Argumente werden
immer durch die Gegensei-te auf logische Inkonsistenzen geprüft; wer
diesen Test bestehen will, tut gut daran, sich keine
Widersprüchlichkeiten, mit seinen eigenen Argumenten und Prämissen und
denen seiner Mitstreiter zu leisten. Und andersherum: In der Debatte
ist der kritische Blick gefragt, der die Erklärungen der Gegenpartei
auf Stichhaltigkeit prüft und Widerlegungen entwickelt.
Überzeugungskraft
Aber in der Debatte ist es wie im richtigen Leben: Recht haben heißt
noch nicht Recht bekommen, die Argumente müssen auch angemessen Wirkung
entfalten, das heißt: ich muss überzeugen. Überzeugung zeigt sich immer
erst im Einzelfall. Was bei dem Einen einen Meinungswechsel hervorruft,
wird dem Anderen als eine Lappalie erscheinen. Überzeugung lässt sich
nicht aus abstrakten Lehrsätzen lernen, weil der Erfolg sich erst in
der einmaligen Situation zeigt. Ein stringenter Gedankengang bleibt
stringent; das, was überzeugt ändert sich mit den Gegebenheiten. Im
Gegensatz zum folgerichtigen Denken kann überzeugende Rede also nicht
im stillen Kämmerlein trainiert werden, erst das Miteinander der
Debatte eröffnet die Möglichkeit, Überzeugungskraft auf die Probe zu
stellen.
Rhetorik ist immer auf den Zuhörer ausgerichtet, der Zuhörer soll zu
einem Meinungswechsel gebracht werden oder gerade davon abgehalten
werden. Es reicht nicht, Scharfsinn und Redegewandtheit zu
präsentieren; hat sich im Zuhörer nichts getan, bleibt das rhetorische
Ziel unerreicht. Die Überzeugung ist das einzige Erfolgskriterium des
Redners.
Doch wie geht das vor sich? Überzeugung entsteht auf drei Dimensionen, die miteinander korrespondieren:
Glaubwürdigkeit
Die persönliche Glaubwürdigkeit ist die Grundlage der Überzeugung.
Wirke ich als Person nicht glaubwürdig, brauche ich nicht zum Pult
gehen, selbst wenn ich dort letzte Wahrheiten verkünden sollte, wird
man mir keinen Glauben schenken. Das Publikum muss merken, dass der
Redner auch hinter seiner Rede steht, nicht nur abstrakt einen
Standpunkt vertritt, sondern auch das Thema zu seiner Sache macht,
dafür gerade steht.
Argumentation
Überzeugung durch Argumentation bedeutet vor allem die sanfte Gewalt
des zwingenden Arguments. Aber auch die muss dem Zuhörer erst dargelegt
werden. Kann das Publikum meinen Argumenten nicht folgen, werde ich
nicht überzeugen. Überzeugung durch Argumentation ist also mehr als
logisches Denken: Ich muss das Ergebnis mei-nes Denkens auch in
angemessener Form präsentieren können.
Emotion
Durch die Emotion überzeuge ich, wenn ich den Zuhörer mitreiße, in Zorn
versetze, betroffen mache oder ähnliches. Emotionalität ist nicht das
Gegenteil von Rationalität, vielmehr oft dessen Begleiter. Vielen
Redegegenständen werde ich nicht gerecht, wenn ich mich nicht auch
betroffen zeige. Der Zuhörer wird vor allem dann emotional bewegt, wenn
der Redner selbst Emotionen präsentiert, sich in Rage redet.
Meine Rede wird dann erfolgreich sein, wenn ich diese drei Dimensionen
der jeweiligen Situation angemessen für meine Zwecke dienstbar machen
kann. Das geht nur durch Üben.
Rhetorische Übungsformen sind dann wertvoll, wenn sie eine Nähe zu den
tatsächli-chen Forderungen des sozialen Lebens haben. Debatte kann
genau das bieten. Debat-tieren bringt uns weiter, weil wir unser Denken
schärfen und das Gedachte im gegenseitigen Gespräch überzeugend
darlegen lernen.
Fazit
Offenes Parlamentarisches Debattieren eignet sich besonders zur
Entwicklung der eigenen Überzeugungskraft, weil es immer ums Ganze
geht: Es gibt immer einen Adressaten der Überzeugung, der eine
eventuelle Meinungsänderung kundtun wird. Im Laufe der Debatte erweist
sich dann, ob ich überzeugend war oder nur eine anständige Rede
gehalten habe.
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Nächste Debatte:
Mittwoch, 07.05.2008 20:00 c.t. im Herzog Ulrich
Thema: "Sollen Lebensmittelpreise staatlich reguliert werden??"
Streitkultur - Wer wir sind und was wir tun
"Eine Kurze Bildschirmpräsentation über den Verein, die Mitglieder und Aktivitäten"
ISS - Das Internationale Streitkultur Symposium
"Fotos und Ergebnisse vom ISS, das internationale Debattierturnier in Tübingen"
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