Zurück zu "Berichte, Impressionen, Bilder"
Am 27. Mai fand das 1. Salzburger Freundschafts-Debattierturnier statt,
veranstaltet vom dortigen universitären Debattierclub "Redesalz".
Natürlich wollte sich dies Streitkultur e.V. nicht entgehen lassen und
so wurden zwei Teams, bestehend aus Julia, Steffen und Dominic sowie
Wiebke, Jonas und Christoph nach Österreich entsandt, um eine Lanze für
unseren Verein zu brechen und dabei jede Menge Spaß zu haben!
Dieser begann schon am Abend zuvor, als wir uns mit zwei Autos auf dem
Weg zu unseren östlichen Nachbarn machten. Die Fahrt würde lang werden;
wahrscheinlich bis zu fünf Stunden. So fuhren wir um halb zehn los, um
in Salzburg noch ein bisschen Schlaf vor dem Turnier zu erhaschen. Doch
leider hatte sich das Wetter gegen uns verschworen, denn auf dem ganzen
Weg regnete es in Strömen und auch mit der Navigation wollte es Anfangs
nicht so recht klappen. Tja, die schwäbische Alb kann bei Nacht ganz
schön verwirrend sein! Nichtsdestotrotz erreichten wir unser Ziel gegen
drei Uhr in der Nacht und freuten uns schon auf einige Stunden der wohl
verdienten Ruhe. Während die Mädels in der Wohnung einer der
Veranstalterinnen abgeladen wurden, durften wir Jungs es uns in den
Autos gemütlich machen. Glaubt mir; es ist auch nach einer langen Fahrt
gar nicht so leicht, auf hartem Polster und Plastik zu schlafen, wenn
der Regen aufs Dach prasselt.
Nach einem kleinen Frühstück mitsamt Cappuccino (den wir verdammt nötig
hatten!) ging es dann am nächsten Morgen sofort zur Universität
Salzburg, in der das Turnier stattfinden sollte. Dort wurden wir von
den Veranstaltern herzlich in Empfang genommen und haben es uns
zusammen mit den anderen Teams gemütlich gemacht. Dann ging es endlich
los: Die Verteilung für die erste Vorrunde wurde ausgelost und die
Leute auf die entsprechenden Räume verteilt. Wir Tübinger durften erst
einmal als freie Redner auftreten, was als Einstieg zum "warm werden"
ausgezeichnet war. Das Thema der ersten Runde lautete: "Soll die
Berufsausbildung von Detektiven gesetzlich geregelt werden?". Und es
ist wirklich erstaunlich, was man daraus machen kann: Wenn Argumente
von Ethik bis Globalisierung angeführt werden, so spricht das doch für
die Originalität der Debattanten!
Nach schönen Ergebnissen der ersten Runde ging es gleich in die zweite.
Hier konnten unsere Teams endlich geschlossen auftreten (beide als
Regierung) und ihren Gegnern beim Thema "Soll der Verkauf seiner
eigenen Niere legalisiert werden?" zeigen, was sie können. Dies haben
wir dann auch mit Genuss getan, die Angriffe der Opposition erfolgreich
pariert und unsere Anträge konsequent durchgesetzt. So weit so gut,
hieß es da!
In der dritten und letzten Vorrunde schließlich durften unsere beiden
Teams als Opposition agieren. Dies gestaltete sich außerordentlich
lustig, da die Veranstalter für die dritte Debatte, die ja
traditionellerweise eine Spaßdebatte ist, das Thema gewählt hatten:
"Soll sich Paris Hilton die Haare schwarz färben müssen?". Klingt
verrückt? War es auch! Aber vor allem sehr spaßig, denn wenn eine
Regierung ihren Antrag so formuliert, dass sich Mrs. Hilton als Strafe
für ihre "Freizügigkeit" die Schamhaare schwarz färben muss, dann ist
eine wilde Schlacht der abstrusesten Argumente vorprogrammiert!
Wirklich, an Fantasie hat es allen Beteiligten nicht gemangelt.
Während nun aus den drei Vorrunden die beiden besten Teams fürs Finale
ermittelt wurden, hatten wir erst einmal eine kleine Pause. Diese wurde
natürlich gleich bestmöglich genutzt, nämlich für einen Spaziergang
durch die Salzburger Altstadt. Was gibt es davon zu berichten? Vor
allem eines: Mozart überall! Der wäre dieses Jahr nämlich 250 Jahre alt
geworden uns so gab es neben den üblichen Tonnen von überteuerten
Souvenirs und Mozartkugeln an jeder Ecke auch zig Ausstellungen zu ihm
und seinen Werk. Wir begnügten uns aber fürs Erste mit einer kleinen
Stärkung und mussten dann auch schon zur Finalrunde gehen. Diese sollte
in einem Wirtshaus vor allen Teilnehmern stattfinden, also lockerer und
gemütlicher als
die Vorrunden. Als wir dort ankamen stellte sich heraus, dass Tübingen
1 (Julia, Steffen, Dominic) als punktstärkstes Team (und damit als
Regierung) gegen München Blau unter der Führung von Daniel Grotzky
antreten durfte. Tübingen 2 (Wiebke, Jonas, Christoph) belegte einen
ehrenvollen dritten Platz, wobei Wiebke aber noch als Freie Rednerin
ebenfalls am Finale teilnehmen konnte. Dessen Thema war: "Soll sich die
EU für die Aufhebung des Verbotes privater Blogs in China einsetzen?"
Starker Tobak, gell? Die Spannung im Saal stieg während der
Vorbereitungszeit stieg kontinuierlich; alle waren schon sehr gespannt,
wie sich die beiden Teams machen würden. Schließlich saßen sie sich
gegenüber, bereit zum letzten Gefecht. Und das konnte sich sehen
lassen! Starke Argumente, gute Rhetorik, messerscharfe Zwischenfragen
und fiese Zwischenrufe auf beiden Seiten sowie bei den Freien Rednern.
Kurzum: Eine herrliche Debatte, die keine Verlierer kannte. Doch
letztendlich wurde das äußerst knappe Ergebnis verkündet: Die
Nichteinmischungs-Taktik der Opposition kam bei der Jury besser an als
die Forderungen der Regierung nach Freiheit, Demokratie und
Menschenrechten. So bekam Tübingen 1 den zweiten Platz zugesprochen und
den Titel der "Sieger der Herzen". ;-)
Nach einer kurzen Pokalverleihung für die Sieger ging es dann zu einer
"After-Party", auf der es dann leckere Speisen und Getränke gab. Mit
Musik und netten Unterhaltungen klang so unser Tag des Turniers aus.
Müde von den vielen Schlachten und Siegen machten wir uns schließlich
auf, schlafen zu gehen. Nicht wieder im Auto, nein, für die Nacht on
Samstag auf Sonntag hatten uns unsere österreichischen Freunde ein
gemütliches und warmes Quartier in einem Jugendhotel besorgt. Dort
angekommen brauchten wir auch nicht lange, um in einen tiefen und
erholsamen Schlaf zu fallen.
Am nächsten morgen wachten wir dann recht früh auf (sogar vor der
Check-Out-Zeit!) und machten uns sogleich über das leckere Buffet her.
Gar nicht mal so schlecht, was die Österreicher ihren Gästen bieten.
Der Kakao ist wirklich zu empfehlen. Aber auch wir waren irgendwann
satt und so stellte sich die Frage, was mit dem Rest des Tages
anzufangen wäre. Wiebke, Steffen und Jonas entschieden sich aus
verschiedenen Gründen dafür, schon nach Tübingen zurückzufahren. Doch
Julia, Dominic und Christoph wollten noch die Gelegenheit nutzen, und
ein bisschen mehr von Salzburg sehen, als das am Vortag möglich war. So
verabschiedeten wir uns voneinander und gingen unserer Wege.
Dieser führte die Dagebliebenen noch einmal in die Innenstadt. Leider
regnete es (wie den ganzen Samstag über auch) ununterbrochen, so zogen
wir uns erst in eine überkandidelte (sorry, ein anderes Wort fällt mir
dafür nicht ein *g*) Mozartausstellung mit ziemlich skurrilen
Souvenirladen (was hat ein Gummi-Bleistift mit Wolfgang Amadeus zu
tun?) zurück und dann in ein nettes Café für eine XXL-Tasse Tee. Bevor
wir schließlich auch aufbrechen mussten, gönnten wir uns noch ein
leckeres Mahl in einem argentinischen Steakhaus und verabschiedeten uns
dann von der Stadt. Diese Verabschiedung hat aber ziemlich lange
gedauert, da wir uns wegen mangelnder Beschilderung ziemlich verfahren
hatten! Das ging sogar so weit, dass wir (zusammen mit einigen anderen
Nicht-Einheimischen Autofahrern) aus Versehen auf einem abgelegenen
Spazierweg landeten. Ich glaube diese Erfahrung war das herumirren
durch die Stadt wert, hehe. Doch letztendlich haben wir es doch
geschafft den Weg Richtung Deutschland zu finden und kamen nach einer
langen (und nicht minder abenteuerlichen *g*) Fahrt schließlich wieder
in Tübingen an.
Alles in allem war es ein wirklich schöner Ausflug, der uns allen sehr
viel Spaß gemacht hat. Wir bedanken und noch einmal herzlich bei den
Organisatoren und den anderen Teams für die Debatten und die Zeit
dazwischen. Bis zum nächsten Mal!
Bericht Christoph Krakowiak
|