A Streitkultur-Standoff

Ohne große Erwartungen starten unsere drei Teams ins englische Tilbury IV-Turnier in Köln. Sie schaffen es aber dennoch alle drei in die Finals- und stehen am Ende trotzdem mit leeren Händen da. 

Da sitzen sie knapp fünf Meter auseinander: Konrad/Lennart und Samuel/Marius. Vergangenheit (ok, böse ausgedrückt!) und Zukunft der Streitkultur. Altmeister gegen Jungtalente. DDM-Sieger gegen BP-Hoffnungen. Das Finale des Tilbury-IV ist nicht länger nur das Finale des Tilbury-IV- es ist auch Bühne für den Generationenkampf der Streitkultur!

So, das ist jetzt der Teaser und so langsam zweifle ich, ob ich den dramatisch-martialischen Ton den restlichen Bericht durchziehen kann. Vielleicht beginnen wir etwas nüchterner:

Es ist Frühjahr, die Semesterferien haben längst begonnen. Die Aussicht auf ein englisches Turnier in erreichbarer Nähe in Köln hat nicht nur Marius und Samuel (diesmal als: Streitkultur Focus on Science), die gefühlt kein internationales BP-Turnier auslassen, angelockt. Stattdessen kommen auch der frisch aus Budapest zurückgekehrte Justus und Maria als Juroren; sowie (dank viel Überzeugungsarbeit seitens Bea) Bea und Sven als Streitkultur Charybdis und Skylla. Die eigentliche „Sensation“ ist aber: Unsere DDM-Sieger Konrad und Lennart geben sich mal wieder die Ehre- und haben sich im Gegensatz zu Marius und Samuel (buh!!) mit Streitkultur Peitho auch traditionell einen Namen aus der griechischen Mythologie ausgesucht.

In Ermangelung von Crash-Plätzen geht es für die ganze achtköpfige Mannschaft am Freitag zu Svens Familie etwas außerhalb von Köln. Längere Anfahrtszeiten inklusive. So wird schon am Abend über die frühen Startzeiten des Tilbury IV geächzt und am darauffolgenden Samstag darüber, dass diese nicht eingehalten werden. Dass dann auch noch eine Weile der überlebensnotwendige Kaffee fehlt, bedroht ernsthaft die physische und psychische Kondition unserer Turnierfahrer.

Momente, in denen die Musik von StarWars oder Armageddon fehlt: Die Streitkultur betritt die Bühne.

Die fünf Vorrunden streifen mit Kultur (Kinderliteratur), Wirtschaft (Zentralbanken), Gesellschaft (Gang-Mitgliedschaft), Moral („Hannibal-Direktive“) und Justiz (Rufmord-Prozesse) so ziemlich die komplette thematische Bandbreite des Debattierens.

Während der Vorrunden stellen Bea und Sven fest, dass das ganze Englisch-Üben doch nicht umsonst war und unsere Juroren, dass manche englischsprachige Judges nicht zuhören. Die Stimmung schwankt zwischen spontanen Hochs („Wir sind NICHT Letzter geworden?!“) und Tiefs (kollektive Verzweiflung im deutschen Raum in Vorrunde 5).

Deutscher Raum im . Annas Whip: „This was a really messy debate.“ Ein einstimmiges Ja hallt durch die Luft  (@StreitkulturTue)

Die andere Whip von Johannes M. startet mit: „Everything must come to an end, even this awful….ly entertaining debate“  (@beadcala)

Alle Augen richten sich aber natürlich auf unsere beiden Vorzeigeteams: Wer würde die Nase vorn haben: Lennart und Konrad, die seit Ewigkeiten nicht mehr miteinander debattiert haben? Oder Marius und Samuel mit ihrer inzwischen gesammelten internationalen Erfahrung? Am Abend stand das vorläufige Zwischenergebnis fest: 1:1. Ein direktes Aufeinandertreffen entschieden Lennart und Konrad für sich; dafür schoben sich in der letzten Vorrunde Marius und Samuel noch genau einen Punkt vor das Team Peitho.

Letztlich war das aber alles egal- denn sowohl neun als auch zehn Punkte reichten zum Einzug ins Halbfinale! Und auch für den Rest gab es Grund zur Freude: Bea und Sven schafften mit sieben Punkten den Sprung ins Novizen- bzw. ProAm-Finale; Justus und Maria breakten als Juroren. So richtig Zeit zur Freude blieb aber nicht: Quasi direkt nach der Break-Verkündung durften wir einmal durch halb Köln rennen, um noch die letzte Bahn nach Hause zu bekommen.

Selbst das nächtliche Köln verliert seinen Reiz, wenn du hundemüde bist und nur noch 3 Minuten hast, um die S-Bahn-Haltestelle zu erreichen.

Am darauffolgenden Sonntag wurde Maria zur tragischen Figur: Erst hatte sie die unangenehme Aufgabe, Bea und Sven im ProAm-Finale zum Thema „mediale Darstellung weiblicher Gewalt“ zu jurieren. Dort musste sie eine knappe Split-Entscheidung zuungunsten der beiden mittragen.

Dann setzten sie die Organisatoren – denen Juroren-Clashes anscheinend vollkommen egal waren – sie auch noch im regulären Finale ein. In dieses hatten sich unsere beiden übrigen Teams nach einer Debatte über familiäre Bande durchgekämpft. Da war er also: der nächste Showdown im Kampf der Streitkultur-Delegationen! (*Pathos an*)

Konrad setzt zu seiner Rede an

(*Pathos aus*) Um es kurz zu machen: Eine finale Entscheidung blieb aus. Denn das Finale (mit dem unausgeglichen wirkenden Thema „Sollten Duelle auf Leben und Tod erlaubt sein?“) wurde vom Team aus Leiden und Oxford gewonnen, das auch schon das sonstige Turnier dominiert hatte. Unsere Redner unternahmen zwar auf der Schließenden Hälfte den kreativen Versuch, die Debatte vor allem in Problemviertel zu verlagern, konnten damit aber die Juroren (darunter Maria) nicht überzeugen.

Samuel beginnt mit „some meta remarks“. Die OPD-Fraktion im Publikum: „Oh, all the fun stuff“  (@Annimotte)

Aus drei Finalteilnahmen nichts mitzunehmen, wirkt als Fazit des Turniers dann erst mal ernüchternd. Aber mit etwas Abstand betrachtet, kann man es auch so festhalten: Wir können auch internationales BP ganz gut stemmen.

Inzwischen denken sogar Konrad und Lennart darüber nach, auf die Europameisterschaften im Sommer zu fahren.

Schon wieder unvollständig: Maria fehlt auf dem Delegationsfoto. Sie sitzt in der Jurierdiskussion, die aber zuungunsten Tübingens ausfallen wird.

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